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Afrika südlich der Sahara

Sondersammelgebiet 6.31 der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)

S 17/2701

Allgemeine Informationen

Die farbenfrohen Länder Afrikas sind nicht nur begehrte Reiseziele. Der frühere Bundespräsident Horst Köhler hatte den Kontinent mit seinem Reichtum und mit seinen Problemen in den Mittelpunkt seiner Amtszeit gestellt. Er stellt die lohnenswerte Frage, was wir von Afrika lernen können. Engagement für Afrika und Partnerschaft mit Afrika sind seine Ziele. Wer sich jenseits der üblichen Katastrophenberichterstattung über Afrika informieren will, dem bietet die Afrika-Sammlung der Universitätsbibliothek umfangreiches Hintergrundwissen. Kulturelle und historische Fakten zur ereignisreichen Tagespolitik, zu aktuellen Konflikten, zu Bürgerkriegen und Hungersnöten gehören genauso zum Angebot wie wissenschaftliche Informationen und Bildmaterial zur lebendigen Vielfalt der Länder, Ethnien und Sprachen oder zum Engagement von zivilgesellschaftlichen Gruppen. Auch die ökonomischen, sozialen und kulturellen Folgen der Kolonialgeschichte werden in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit sichtbar. Die Größe und Geschlossenheit hinsichtlich der betreuten Fächer und Länder macht die Afrika-Sammlung der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg im deutschsprachigen Raum einmalig. Sie ist inzwischen auf eine Bandzahl von 200.000 angewachsen.

Seit 1964 besteht das Sondersammelgebiet »Afrika südlich der Sahara« in Frankfurt am Main. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert Sondersammelgebiete an großen Universitäts- und Spezialbibliotheken mit Mitteln für die Erwerbung spezieller ausländischer Literatur. Jeder ausländische Titel soll mindestens einmal in Deutschland vorhanden und mittels Fernleihe und Dokumentenlieferung bundesweit zugänglich sein.

Titelblatt Ludolf Bereits vor Übernahme des Sondersammelgebietes befand sich in Frankfurt eine traditionsreiche Afrika-Sammlung. Das erste größere Legat der orientalisch-afrikanischen Sammlung verdankt die damalige Stadtbibliothek dem Begründer der äthiopischen Studien Hiob Ludolf (1624-1704). Durch die Freundschaft mit dem gelehrten Äthiopier Abba Gregorius (ca. 1600 - 1658) war er in der Lage, viele offene Fragen zu Sprache und Kultur Äthiopiens zu klären. Zwischen 1661 und 1701 erschienen eine Reihe bedeutender Werke Ludolfs, die für seine Zeit als vorbildlich gelten konnten und bis heute unschätzbare Quellen zur Geschichte, Kultur und Sprachen Äthiopiens geblieben sind. Besonders berühmt ist die »Historia Aethiopica« (1681) und der »Commentarius ad suam historiam aethiopicam« (1691), darin legte er das gesamte ihm zugängliche Wissen über Äthiopien nieder. Der Begründer der europäischen Afrikanistik hat die erste Grammatik des Altäthiopischen (Ge'ez) verfasst, das dem Latein vergleichbar bis in die jüngere Zeit die klassische Literatur- und Kirchensprache des christlichen Äthiopiens war.

Eine wertvolle äthiopische Handschriftensammlung wurde der Bibliothek durch den Naturforscher Eduard Rüppell (1794-1884) übereignet. Unter den zum Teil illuminierten Handschriften finden sich ein Meisterwerk der äthiopischen Malerei aus dem 17. Jahrhundert sowie mehreren Chroniken zur abessinischen Geschichte. Die Beschreibung seiner gefahrvollen Reise nach Äthiopien (1831-1833) gehört zu den klassischen Büchern der Kulturgeschichte Nordostafrikas.

Im frühen 20. Jahrhundert wurde die Stadtbibliothek die Bibliothek für die 1914 gegründete Universität und deren Vorgängerin, die »Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften«. Neben den volkswirtschaftlichen und juristischen Fächer sollte auch die Kolonialpolitik durch den Kauf zeitgenössischer Forschungs- und Expeditionsberichte besonders intensiv ausgebaut werden. Zu Afrika gab es zu dieser Zeit aber keine Spezialsammlung. Dies änderte der Zweite Weltkrieg. Quasi als Entschädigung für die sehr umfangreichen Kriegsverluste gelangten neue, geschlossene Bestände in die Bibliothek.

Die Amerikaner übergaben der Bibliothek die so genannte Kolonialbibliothek. Sie bestand aus rund 15.000 Monographien und ebenso vielen Zeitschriftenbänden. Ihre Ursprünge lagen in der Bibliothek der 1887 gegründeten Deutschen Kolonialgesellschaft. Stempel Dt. KolonialgesellschaftDeren Bestände gingen in das 1907 eingerichtete Reichskolonialamt ein, das seit dieser Zeit bis zum Ende des Ersten Weltkrieges als oberste Behörde die deutschen Schutzgebiete verwaltete. Die Kolonialbibliothek bietet in dieser Größenordnung zusammen mit einer historischen Bildsammlung der Deutschen Kolonialgesellschaft unschätzbares Quellenmaterial, besonders für Afrika in der Zeit der Kolonisation.

Die koloniale Sammlung war der Grund dafür, dass 1964 die DFG der Frankfurter Universitätsbibliothek das SSG 6.31 »Afrika südlich der Sahara« sowie die Sondersammelgebiete »Ozeanien«, »Geographie« (bis 1974) und »Allgemeine und vergleichende Völkerkunde« (bis 1998) übertrug. Detailaufnahme KolonialbibliothekWissenschaftliche Literatur aus und über Afrika wurde thematisch und regional jetzt sehr viel breiter gesammelt, allerdings verschob sich der Schwerpunkt von Nordafrika auf das subsaharische Afrika.

Über die Jahre konnten dank besonders eingeworbener Finanzhilfen immer wieder Spezialsammlungen ergänzt werden, etwa zur afrikanischen Belletristik oder zum frankophonen und lusophonen Afrika:

  • 1969 gelangte mit Hilfe der Stiftung Volkswagenwerk ein Teil der Bibliothek des Schriftstellers und Lehrbeauftragten für neoafrikanische Literatur in Frankfurt, Janheinz Jahn (1918-1973), in die Afrikasammlung.
  • 1973 wurde mit Mitteln der DFG eine ca. 4.200 Titel zählende Sammlung zur portugiesischen Kolonisation in Afrika erworben (Signatur S 22).
  • Ebenfalls mit Hilfe der Deutschen Forschungsgemeinschaft ist es dem Sondersammelgebiet Ende 2004 gelungen, die über 2.300 Bände starke Privatsammlung des renommierten Bayreuther Begründers der deutschen Afroromanistik, Professor Dr. János Riesz, zu erwerben (Signatur S 37). Professor Riesz sammelte für seine wissenschaftliche Arbeit auf unzähligen Reisen in 30 Jahren wertvolle Literatur, die in großen Teilen noch in keiner anderen deutschen Bibliothek vorhanden war.

Außerdem kam und kommt es immer wieder zu kleineren und größeren Schenkungen, mit deren Hilfe Lücken im Bestand geschlossen werden konnten:

  • 2012 übergab die Deutsche Gesellschaft der Freunde Botswanas dem Afrika-Sondersammelgebiet ihre Buchsammlung unter anderem wegen der zentralen Lage Frankfurts. So haben die über Deutschland verstreuten Mitglieder der Gesellschaft jederzeit bequem Zugang zu den Beständen. Bemerkenswert sind neben den landeskundlichen Büchern, viele Regierungspublikationen des Botswanischen Government Printers (z.B. Statistiken, Entwicklungspläne usw.), sowie Bücher zum Thema AIDS und zur Sprache Setswana. Die Bände werden im Laufe des Jahres 2013 in den Bestand eingearbeitet und sind über den Katalog gesondert auffindbar.

Unsere Afrika-Sammlung eröffnet in ihrer historischen Tiefe und thematischen Breite neue Sichtweisen auf alte Klischees, stellt zentrale Quellen und umstrittene Interpretationen zur Verfügung und ermöglicht es, Afrika in seiner ganzen reizvollen und widersprüchlichen Vielfalt kennen zu lernen.

Literatur zur Geschichte der Abteilung und weitere Informationen:

  • Bergenthum, Hartmut: «internet library sub-saharan Africa» (ilissAfrica): Bilanz einer Virtuellen Fachbibliothek, in: ABI-Technik 31 (2011), 1, S.12-22, DOI: 10.1515/ABI.2011.002

  • Bergenthum, Hartmut/Thomas Siebold: African Studies - Striving for Integrated Information Services: Recent Developments in Germany and Europe, in: Africa Spectrum 45 (2010), 2, S. 109-121, http://hup.sub.uni-hamburg.de/giga/afsp/article/view/331/331

  • Bergenthum, Hartmut: «Ozeanien» und «Afrika südlich der Sahara». Zwei Sammlungen in der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main mit bundesweitem Versorgungsauftrag, in: Jahrbuch für Europäische Überseegeschichte 8 (2008), S.239-252.

  • Wolcke-Renk, Irmtraud Dietlinde: Afrika südlich der Sahara (SSG 6,31) : aus der Afrika-Abteilung der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main. - Frankfurt am Main : Klostermann, 2004.

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zuletzt geändert am 24. Mai 2013

Kontakt

Dr. Hartmut Bergenthum
Tel: 069/ 798-39246
h.bergenthum@ub.uni-frankfurt.de

Christina Sokol
Lesesaal Afrika
Tel: 069/ 798-39247
c.sokol@ub.uni-frankfurt.de

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Di., Mi., Fr. 10.00 - 16.30 Uhr
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