Mali - Musterland in der Krise

«Deutschland war das erste Land, was unsere Unabhängigkeit 1960 anerkannte. Die Deutschen sind unsere Freunde.» Als Deutscher wird man in Mali häufig so begrüßt. Und Mali war - bis zur aktuellen Krise - eines der beliebtesten Reiseziele in Westafrika. Es locken das Plateau der Dogon, die Wüstenstadt Timbuktu oder die Kunst der Senufo ebenso wie die Wüstenelefanten von Gourma.

Politisch galt Mali lange Jahre seit dem Sturz des Diktators Moussa Traoré als Musterbeispiel für Demokratie. Eine reibungslose Machtübergabe von putschenden Militärs an eine zivile Regierung ist in Afrika bislang eher die Ausnahme als die Regel gewesen. In Mali gelang es und auch die nachfolgenden Wahlen waren weitestgehend allgemein, frei und gleich. Wirtschaftlich sieht es weniger gut aus. Mali tauscht regelmässig mit den Nachbarländern Burkina Faso und Niger die hinteren Plätze im Human development report. Das ist nicht weiter verwunderlich für ein Land, dessen wichtigstes Exportgut Fussballer zu sein scheinen und das trotz permanenter Dürregefahr landwirtschaftlich geprägt ist.

Die aktuellen Auseinandersetzungen im Norden Malis haben viele Ursachen. Mali ist ein Vielvölkerstaat. Die Ressentiments zwischen den Berbervölkern Tuareg und Mauren im Norden und der schwarzafrikanischen Bevölkerung im Süden sind auf beiden Seiten groß. Es gelang in der Vergangenheit nicht immer, die knappen staatlichen Mittel gerecht im Land zu verteilen. Dies führte schon in den 90er Jahren zu einem Bürgerkrieg im Norden . Die Umwälzungen in Libyen, radikaler Islamismus, Rohstofffunde in der Region, Landnutzungskonflikte, internationaler Drogenhandel und der globale Klimawandel sind weitere wichtige Faktoren in einem Konflikt, dessen Leidtragende wie immer die lokale Bevölkerung ist.

Übrigens: Sie erinnern sich nicht an die Unterstützung der Unabhängigkeit Malis durch die Deutschen? Dann sind Sie wahrscheinlich in Westdeutschland geboren. Es war die DDR, die Mali als erstes anerkannte.

Die Afrika-Abteilung dankt Rolf Schrittenlocher, Abteilung Elektronische Dienste, für die Erstellung dieser Virtuellen Afrika-Vitrine!
Februar 2013

p.s. Sie sind herzlich eingeladen, mehr zur Geschichte und Kultur des Landes in unseren Mali-Beständen, und mit Hilfe der von uns erfassten Websites zu entdecken. Beachten Sie auch die Digitalisate der in Timbuktu aufbewahrten Manuskripte.