Einleitung zu Bd. 42

Bei dem vorliegenden Band 42 handelt es sich um eines der von dem Frankfurter Stadtarchivar Georg Ludwig Kriegk als solches bezeichneten "nichtärztlichen Tagebücher". Wie in den anderen Tagebuchbänden ab 1743 nimmt Senckenberg auch hier seine Notate auf hochrechteckigen ‘Notizzetteln’ vor.

Die chronologisch fortlaufend angeordneten Einträge beginnen mit dem 5. Januar 1760 (fol. 1 recto) und enden (fol. 517 verso) mit dem Schluß eines Eintrags zum 26. Dezember 1762. Die Dichte der Einträge variiert: Für etliche Tage findet sich ein einziger Eintrag auf einem ‘Notizzettel’, es gibt aber auch viele Tage, an denen zu einem einzigen Tagesdatum mehrere/einige ‘Zettel’ mit Aufzeichnungen vorliegen. In der Regel ist auf dem Notizzettel in der obersten Zeile das Tagesdatum in folgender Form angegeben:
d. [astronomisches Symbol für den Wochentag], dann das genaue Datum (Tag/Monat/Jahr].
Diese Datumsangabe fehlt nur bei Einträgen, die die thematische/inhaltliche Fortführung der Aufzeichnungen auf den vorausgegangenen Notizzetteln darstellen.

Der Inhalt der Aufzeichnungen ist äußerst vielfältig und variiert von Eintrag zu Eintrag:
Als ganz wesentlicher Aspekt ist Senckenbergs Auseinandersetzung mit sich selbst und mit den religiösen/ theologischen/ philosophischen Diskursen seiner Zeit zu nennen. Hier bezieht er eine ganz eigene Position, die ihn skeptisch den verschiedenen Konfessionen bzw. Gruppierungen gegenübertreten lässt.

Weitere Hauptpunkte sind seine sehr kritischen und äußerst detailreichen Schilderungen und Kommentare in Bezug auf das Alltagsleben und des "Stadtregiment" in Frankfurt sowie zum politischen und sonstigen Geschehen auf nationaler und internationaler Bühne (ein Stichwort: "Siebenjähriger Krieg"). Hier zeigt er sich - nicht zuletzt auf Grund seiner Kontakte zu verschiedensten Personenkreisen innerhalb und außerhalb Frankfurts - als äußerst gut informiert.

Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Schilderung der Auswirkungen der französischen Besatzung bzw. der Einquartierung französischer Truppen, von der Frankfurt in der Zeit von 1759-1763 betroffen war. Darüber hinaus notiert er alles, was in irgendeiner Form sein Interesse erregt: So geht er z. B. neben Notaten zu seinen Patienten (kritisch) auf Fragen der Gesundheitsversorgung - zumal in Frankfurt - ein, oder setzt sich mit den neuesten Forschungsergebnissen aus vielen Fachdisziplinen (Medizin, Botanik, Physik, Chemie, …) auseinander, über die er durch die Lektüre entsprechender Publikationen informiert ist.

Darüber hinaus wird seine an der Antike geschulte Erudition deutlich.

Den Abschluß des Bandes bildet ein Teil, der ebenfalls chronologisch geordnete `Notizzettel´ enthält. Er beginnt (fol. 518 recto) mit einem (von Senckenberg) handgeschriebenem Titelblatt ("Hornviehseuche 1762 fine anni recordati
1763 Majo in d Pfaltz") Die Einträge (fol. 519 recto bis fol. 547 recto) schildern die auf dem Titelblatt erwähnte Hornviehseuche, ihre Auswirkungen und die zu ihrer Bekämpfung getroffenen Maßnahmen.

Des weiteren finden sich in Bd. 42 mehrere eingebundene Beilagen (zum großen Teil zeitgenössische Zeitungen).

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