Provenienzrecherche an der UB Frankfurt
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Provenienzrecherche an der Universitätsbibliothek

© Daniel Dudde


Das Team Provenienzfoschung der UB Frankfurt durchsucht seit Mitte November 2020 in einem von der Goethe-Universität, der Stadt Frankfurt am Main und dem Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderten Projekt systematisch ca. 80.000 Bände der Signaturbereiche 00/ und 42/ bis 45/ per Autopsie nach NS-Raubgut.

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 begann die systematische Verfolgung von Menschen und Institutionen aus "rassischen", religiösen, weltanschaulichen oder politischen Gründen. Die Verfolgten verloren in vielen Fällen ganz oder teilweise ihr Eigentum, das durch die Exekutivorgane des "Dritten Reiches" entwendet und beschlagnahmt oder durch diskriminierende Gesetze enteignet wurde. Viele der Verfolgten waren gezwungen, ihr Hab und Gut zurückzulassen oder es zu verkaufen, um ihre Flucht oder das Überleben zu ermöglichen.

Bibliotheken, sowie auch Museen und Archive waren Nutznießer der Beschlagnahmungen, Enteignungen und Zwangsverkäufe. Schrifttum von politischen Gegnern wurde beschlagnahmt, zerstört oder gezielt für "nationalsozialistische Forschung" gesammelt und gelangte auf vielfältigen Wegen in die Kulturgut verwahrenden Institutionen. Auch nach dem Krieg gelangte noch NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut in ihre Bestände. Dieser Kulturraub wirkt bis heute nach und NS-Raubgut kann über Schenkungen, Nachlässe oder Ankäufe bei Antiquariaten weiterhin in Bibliotheken gelangen.

Jedes einzelne Buch der oben genannten Signaturbereiche wird für dieses Projekt in die Hand genommen und nach vorhandenen Provenienzmerkmalen wie Stempeln, Autogrammen, Widmungen oder Exlibris hin untersucht. Diese Merkmale werden fotografiert und dokumentiert. Oftmals sind sie die wichtigsten Hinweise für die Bewertung, ob es sich bei einem Buch um NS-Raubgut handelt und die zu den Eigentümern führen können. Weitere Indizien, die einen Raubgut-Verdacht nahelegen, finden sich in Akzessionsjournalen, soweit erhalten. Auch die - nur noch zum Teil - vorhandenen Verwaltungsakten der Bibliothek können Hinweise auf verdächtige Erwerbungen enthalten.

Die Ergebnisse dieser Recherchen werden in den Katalog des Hessischen Bibliotheksverbundes eingepflegt, so dass Angaben zum Vorbesitz im Online-Katalog der UB sichtbar und recherchierbar sind. Des Weiteren werden NS-Raubgutfunde an die Lost Art-Datenbank gemeldet und die Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit durch Vorträge und Veröffentlichungen vorgestellt.

Grundlage für die aufwändigen Recherchen nach NS-Raubgut sind internationale Erklärungen und nationale Aufforderungen, vor allem die Washingtoner Prinzipien und die sogenannte "Gemeinsame Erklärung" , die allerdings keine rechtlich bindende Verpflichtung darstellen.



Berichte über das Projekt

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zuletzt geändert am 23. April 2021

Kontakt

Dr. Mathias Jehn
Abteilungsleitung Archivzentrum
Tel: 069/ 798-39007

Team Provenienzforschung

Bernhard Wirth
Projektleitung
Tel: 069/ 798-39223

Daniel Dudde M.A.
Projektmitarbeiter
Tel: 069/ 798-39264

Maria Nüchter M.A.
Assistenz der Projektleitung, Bibliotheksreferendarin
Tel.: 069/ 798-39335

Ulrike Vogl M.A.
Projektmitarbeiterin
Tel. 069/798-39335

provenienzforschung[at)ub.uni-frankfurt.de

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