Sammlung Deutscher Drucke - Buch des Monats
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Sammlung Deutscher Drucke 1801-1870

Buch des Monats

Juli 2026

Mahner, Ernst: Das Gesetz der Urgesundheitskunde : erneuert zu Muenchen, am 21. und 22. Iuli 1847 / Ernst Mahner - Muenchen : [Verlag nicht ermittelbar], [1847?]. - 1 Bogen (2 Seiten)

Signatur: F 18/591 | Online-Ausgabe

Als Wanderprediger mit wallendem Haar, Vollbart und langem Gewand trat Carl Friedrich Schlemmer unter dem sprechenden Namen Ernst Mahner an zahlreichen öffentlichen Orten auf. Dem interessierten Publikum verteilte er ein Flugblatt mit dem „Gesetz der Urgesundheitskunde“, das ähnlich wie die Gesetzestafeln Moses gestaltet war und seine zehn „Gebote“ zur gesunden Lebensführung enthielt. Gott habe dem Menschen einen „Urinstinct“ (S. 1) gegeben, heißt es dort, der ihn das Richtige tun lasse – auch wider anerkanntes Wissen. Mahner wettert in seiner Schrift gegen Genussmittel wie Branntwein, „Caffe- oder Theebrühe“ (S. 1) und Tabak und empfiehlt, Speisen und Getränke ungekocht, möglichst fest und kaum gewürzt zu verzehren. Neben diesen Speisevorschriften rät er dazu, lockere Gewänder aus Wolle, anstatt enger modischer Kleidung zu tragen, sich viel an der frischen Luft zu bewegen und täglich im kalten Wasser zu baden.

Mahner selbst war sehr abgehärtet und sorgte mit mehreren spektakulären Aktionen für Aufsehen, bei denen er beispielsweise im eisigen Rhein badete. Auf einer Eisscholle im Main bei Frankfurt schwimmend, las er 1861 aus seinem „Urgesetz“. Die Austern und den Wein, die er dabei verzehrt haben soll, waren nach seiner Lehre übrigens neben Trüffelpasteten und anderen „instinctgemäße[n] Delicatessen“ (S. 1) ausdrücklich erlaubt.

Mahners Kritik an den zivilisatorischen Auswüchsen seiner Zeit und seine außergewöhnlichen Darbietungen erregten den Spott einiger Zeitgenossen. Die Auftritte des Gesundheitsfanatikers wurden 1848 auf mehreren Motivwagen beim Kölner Karneval persifliert, und auch in München machte sich ein Autor der Satire-Zeitschrift „Fliegende Blätter“ über seine Ideen lustig. In dem Artikel „Die drei Ur-Eisbären“ berichtet er von drei jungen Männern, die an einem Wintertag im Englischen Garten der Kälte „urinstinktgemäß gekleidet“ trotzen, in der eisigen Isar baden und nach dem Verzehr von „Urknödeln“ aus rohem Fleisch und Zwiebeln schließlich über Nacht erfrieren.

Vorherige Monate

Babo, Lambert von: Der Rathgeber für den Ackersmann, oder Belehrungen über die verschiedenen Haus- und Feldarbeiten, geordnet nach ihrem monatlichen Vorkommen. - Frankfurt a. M. : Broenner, 1861. - 48 S.

Signatur: 18/25548 | Online-Ausgabe

Wer mag mehr über die Luzerne erfahren? Gemeint ist keine Stadt in der Zentralschweiz, sondern die älteste, ausschließlich zur Futtergewinnung angebaute Kulturpflanze, die im 19. Jahrhundert eine wachsende Bedeutung für die deutsche wie auch für die europäische Landwirtschaft hatte.

Lambert Joseph Leopold Freiherr von Babo (1790-1862) lag die Luzerne sehr am Herzen, was jeder merkt, der sich seinen „Rathgeber für den Ackermann“ näher zu Gemüte führt. Dieses schmale Bändchen, erschienen 1861, einem Jahr vor Babos Tod, reiht sich ein in die Fülle seiner landwirtschaftlichen wie auch weinbaulichen Veröffentlichungen, ohne dabei hervorzustechen. Gegliedert nach den Monaten des Jahreslaufs, geschrieben in einer einfachen Sprache, da der Inhalt auch in den „Dorfschulen den fleißigen Schülern“ (S. 3) zur Kenntnis gebracht werden soll. Dazu sollte das Werk „möglichst wohlfeil werden“ (S. 4), was auch eine Erklärung für seine geringe Seitenzahl ist. Auf Abbildungen wird ebenfalls verzichtet, doch ist das Büchlein ein gutes Beispiel für eine SDD-Erwerbung, die einen Einblick in den Alltag, hier den des „Durchschnitts-Landmanns“, im 19. Jahrhundert gibt; in eine „normale“ wissenschaftliche Bibliothek der Zeit hätte es keine Aufnahme gefunden.

Lambert Joseph Leopold von Babo entstammte einer (bzw. begründete selbst eine) Familie, die sich der der Verbesserung der Anbaupraxis von Nutzpflanzen und insbesondere der Weinreben widmete und zugleich den Anspruch hatte, ihre über praktischen Experimente gewonnenen Erkenntnisse weiterzugeben.

Man erfährt auf den wenigen Seiten des „Rathgebers“ erstaunlich viel über die zu Babos Lebzeiten in Deutschland kultivierten Pflanzen, die klimatischen Verhältnisse, die damaligen Schädlinge wie insgesamt die Widrigkeiten, die einer ertragreichen Ernte entgegenstanden. So rät Babo für den Juli etwa: „Ist man gezwungen feuchte Frucht einzuheimsen, so lege man sie nicht horizontal in den Scheuerräumen hin, sondern stelle die Garben mit aufrechtgerichteten Aehren ein, damit die bei der Gährung sich entwickelnde Feuchtigkeit den leichtesten und kürzesten Weg zur Verdünstung finde. Man beeile sich, sowie die Felder abgeräumt sind, Herbstrüben anzusäen. Auch werden Wicken zu Gründünger eingebaut. Ebenso noch Welschkorn zu Grünfutter. Dies, kann auch noch auf die Rübäcker eingesprengt werden.“ (S. 37)

Das von seinem Vater Johann Lambert Gregor von Babo übernommene und weiter von ihm ausgebaute Landhaus samt dem dazugehörigen Garten hat sich zu einer touristischen Hauptattraktion seines Wohn- und Wirkungsortes Weinheim an der Bergstraße entwickelt. Babos Andenken ehrt man dort mit einem verdeckt liegenden Kenotaph inmitten eines Rhododendrongebüschs, in unmittelbare Nachbarschaft findet man einen vom Landwirtschaftlichen Verein des Unterrheinkreises beauftragten und 1869 feierlich enthüllten Granit-Obelisk … am Rande des später dort angelegten innerstädtischen Tennisplatzes. Habent sua fata monumenta.

Schöne, J. H.: Gründliche und ausführliche Anweisung zur Anwendung der Taktschreibmethode in Seminarien und Volksschule : nebst 8 Steindrucktafeln in 4o, welche fuer jeden Buchstaben die genaue Bezifferung enthalten / von J.H. Schöne, Pfarrer in Zimmern. - Zweite, sehr vermehrte und mit einem aus dem Worte Gottes geschöpften vollständigen Lehrgange versehene, Auflage. - Langensalza : Schulbuchhandlung d. Th. L. B., 1855. - X, 98 Seiten, 8 gezählte gefaltete Blätter Tafeln : Illustrationen

Signatur: 18/35355 | Online-Ausgabe

Der Weg von den ersten verkrampften Schreibversuchen hin zu einer flüssigen und leserlichen Handschrift war schon immer eine Herausforderung, lange bevor Tippen und Sprachnachrichten den Alltag bestimmten. Der thüringische Pfarrer Johann Heinrich Schöne beklagt 1855 in seiner Schrift die schwierige Situation in den Schulen, in denen es vielen Kindern nicht gelinge, die Technik des Schreibens dauerhaft zu verinnerlichen, auch wenn die Zeiten vorbei seien, „wo wohl zum Theil kaum der Lehrer ordentlich schreiben konnte“ (S. 1). Dabei verhehlt Schöne nicht, dass Armut und schlecht ausgestattete Schulen zu dieser Misere beitragen.

Um dem motorischen Gedächtnis der Schreibanfänger auf die Sprünge helfen, propagiert Schöne seine Taktschreibmethode. Ebenso wie andere Schreiblehrer seiner Zeit richtet er den Fokus auf die Bewegungsabläufe beim Schreiben und formuliert eine Reihe von strikten Vorgaben für das „Sitzen nach Ordnung und Regel“ (S. 8), die richtige Position des Schreibarmes und der Finger sowie die Haltung der Feder. Kern der Unterrichtsmethode ist schließlich das „Taktiren“ (S. 9), bei der „jedem wesentlichen Theile eines Schriftzeichens eine bestimmte Zeit zugemessen wird, binnen welcher er ausgeführt werden muß“ (S. 24). Nachdem der Lehrer die Kommandos „Richt’t euch“, „Stift“ und „Angesetzt“ (S. 42/43) erteilt hat, dirigiert er die Schreibbewegungen der Schüler, indem er für die Aufstriche „1“, für die Abstriche „2“ vorzählt – notfalls auch mit Hilfe eines Hammers als Taktgeber. So gedrillt und in eine Art kalligrafischen Gleichschritt gebracht, meint Schöne, einer großen Schülerschar das Schreiben beibringen zu können. Dem Text sind acht gefaltete lithografierte Blätter beigefügt, die die Methode bildlich verdeutlichen.

Für Pfarrer Schöne ist das Erlernen der Handschrift aber nicht nur nützlich, sondern hat auch eine religiöse Dimension. Seine Schüler sind vor allem „Christenkinder“ (S. V), die in ihrem Glauben gestärkt und von Lehrern unterrichtet werden sollen, die „ihre Berufsthätigkeit als einen Gottesdienst ansehen“ (S. V). In der vorliegenden zweiten Auflage entstammen dementsprechend alle Übungsbeispiele der Bibel. Profane Sätze wie „Amsterdam ist eine große Stadt“ und „Cacao ist ein heilsames Getränk“ (S. 40) haben hier als Schriftvorlagen ausgedient.

Titelblatt zum Buch, darauf der Buchtitel als Text gesetzt

Vinzenz Kern: Aufruf an die Bewohner Krains zur allgemeinen Annahme der Kuhpocken-Impfung : mit einer nach der Natur illuminirten Kupfertafel / von Vinzenz Kern, der Medizin und Chirurgie Doktor, der medizinischen Fakultät zu Wien ordentlichem Mitgliede, öffentlichem ordentlichem Professor der Heilkunde zu Laibach ; nach der Natur gezeichnet von Dr. Beer ; gestochen von I. Neidl in Wien. - Laibach : gedruckt bey Andreas Gassler, 1803. - 42 Seiten, 1 ungezähltes Blatt, 1 ungezähltes Blatt Tafel.

Signatur: 18/35597 | Online-Ausgabe

Das vorliegende dünne Bändchen enthält auf wenigen Seiten den eindringlichen Appell an alle Bewohner Krains „zur allgemeinen Annahme der Kuhpockenimpfung“. Der Verfasser, der Arzt Vinzenz Kern (1760-1829), räumt darin mit der damals in der Bevölkerung vorherrschenden Meinung auf, Kinder würden bereits mit dem „Blatterngift“ geboren, so dass es ein unabwendbares Schicksal darstelle, wenn ein Kind daran erkranke. Die Zahlen der an Kindsblattern verstorbenen Kinder ist erschreckend. Kern nennt 3.000 Kinder, die allein im Adelsberger Kreise 1801 an Blattern verstarben, im Erzbistum Laibach lag die Zahl bei 1.200 verstorbenen Kindern.

In seiner Schrift geht er auch auf die Argumente und Zweifel der damaligen Impfgegner ein, betont aber, dass einige wenige trotz Impfung Erkrankte, in keinem Verhältnis zu den vielen durch die Impfung Geretteten stehen.

Kern selbst hatte eine Professur für Chirurgie und Geburtshilfe am k.k. Lyceum in Laibach inne und sah als praktizierender Arzt sicherlich viele erkrankte und sterbende Kinder jeglichen Alters. Als sanitärer Organisator führte er 1801 die Pockenimpfung in Krain ein.

Dem auf festem und hochwertigem Papier gedruckten Werk ist eine von I. Neidl gestochene Illustration vorgebunden. Die Abbildung zeigt die Entwicklung einer Impfpustel derart naturgetreu, dass ihr Anblick beim Betrachter bereits Juckreiz auslöst.

Titelblatt zum Buch, darauf der Buchtitel als Text gesetzt
Mehrere Stiche einer Schutzpustel, deren roter Rand über die Tage hinweg immer größer wird, bis sie schließlich abstirbt

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zuletzt geändert am 3. Juli 2026