Sammlung Deutscher Drucke - Buch des Monats
Universitätsbibliothek » Sammlung Deutscher Drucke - Buch des Monats
Sammlung Deutscher Drucke 1801-1870

Buch des Monats

Februar 2026

Marschan, Joseph Wilhelm: Der Transport im Allgemeinen und Plan zur vortheilhaftesten Anlage der Eisen- und Haeuserbahnen : mit einer lithographirten Tafel / von Joseph Wilhelm Marschan, koeniglichen ersten Markscheiders-Adjuncten bei dem niederungrischen Bergbau. - Pressburg ; Oedenburg : Verlag von Carl Friedrich Wigand, 1836. - 68 Seiten, 1 gefaltetes Blatt Tafel : 1 Illustration

Signatur: W 3197 | Online-Ausgabe

Titelblatt zu: Der Transport im Allgemeinen und Plan zur vortheilhaftesten Anlage der Eisen- und Haeuserbahnen : mit einer lithographirten Tafel / von Joseph Wilhelm Marschan, koeniglichen ersten Markscheiders-Adjuncten bei dem niederungrischen Bergbau. - 1836

Welche großen Hoffnungen man in den Ausbau des Verkehrswesens im Allgemeinen und des Eisenbahnwesens im Besonderen setzte, dafür ist diese Abhandlung ein wunderbares Beispiel. Sie erschien 1836 und damit nur ein Jahr, nachdem die erste deutsche Eisenbahnlinie zwischen Nürnberg und Fürth eröffnet wurde. Joseph Wilhelm Marschan (1801-1872), der Verfasser dieses schmalen und sehr seltenen Bändchens, studierte an der Bergbauakademie in Schemnitz (Banská Štiavnica, in der heutigen Slowakei gelegen), wo er später auch eine Professur für Zeichnen und darstellende Geometrie innehatte. Im Buch beschreibt er den Bau und den Betrieb verschiedenster Beförderungsarten, wobei ihm die Eisenbahnen besonders am Herzen lagen, denn „durch die äußerst billige, schnelle, sichere und bequeme Fracht auf Eisenbahnen werden die Fortschritte der Civilisation, Cultur, Fabrication und des Handels zum allgemeinen und des Einzelnen höherem Wohl wesentlich befördert.“ (S. 20). Bahn-Pendler der Gegenwart zaubern diese Zeilen einen gequälten Ausdruck der Verwunderung ins Gesicht.

Die Ausführungen des „Montanisten“ (Bezeichnung für einen Montan- oder Bergbauingenieur) Marschan bieten aber weit mehr, u.a. mentalitätsgeschichtliche Einblicke in eine für das 19. Jahrhundert typische technoide Zukunftsgläubigkeit, deren blumige Formulierungen häufig amüsieren, etwa, wenn es (1836!) über die „Luftfahrt“ heißt: „Die Luftschiffahrt ist ein Gegenstand, dessen Ausführung man in unserem Jahrhundert mit Lächeln erwartet“ (S. 32). Weitere Beförderungsarten (z.B. "Fluß- und Canalfahrt") für Menschen und Güter, die jeweiligen Vor- und Nachteile für den Handel wie für die gesamte Menschheit, ihre Realisierungsmöglichkeiten und die damit verbundenen Kosten werden detailliert erläutert, doch hätte man von einem Ingenieur mehr an Illustrationen erwartet. Der Verfasser ist dieses Manko bewusst und erklärt sich bereit, sofern sein Vortrag über das Transportwesen Anklang fände, die "dazu nöthigen Zeichnungen" zu entwickeln (S. VI).

Marschans Schriftenverzeichnis ist kurz, die Titel der wenigen Publikationen machen neugierig, sind jedoch höchst beschwerlich bis gar nicht einzusehen. Was mag sich etwa in den „Tausend neue[n] Darstellungen, Erforschungen und Erfindungen“ (1868) verbergen? Den Terminus „Häuserbahn“ ließ sich in einschlägigen Enzyklopädien des 19. Jahrhunderts (bislang) nirgendwo belegen. Dass Marschan diese Vision zumindest intellektuell weiterentwickelt hat, verrät ein Blick in die digitalisierte Ausgabe des „Bote[n] für Tirol und Vorarlberg“ vom 3.6.1863, in welchem u.a. außer Kraft getretene „Privilegien“ [gemeint sind damit Patente] aufgeführt werden, u.a. eines von Marschan auf so genannte „Dommotive“, womit „bewegliche Gebäude“ gemeint seien (das Patent auf Erfindung derselben bestand immerhin von 1857 und 1862 und war aber durch „Zeitablauf“ 1863 endgültig erloschen).

Tafel mit Landschaftszeichnung und Eisenbahnstrecken

Vorherige Monate

Bosko's und Döbler's Zauberkünste oder: natürliche Magie und Taschenspielerkunst für Dilettanten und zur angenehmen Unterhaltung für Gesellschaftskreise / von Comte nach dem Franz. bearb. - 3. Aufl. Quedlinburg [u. a.] : Basse, 1839. - VIII, 192 S., 3 Falttaf.

Signatur: 18/24746 | Online-Ausgabe

Titelblatt zu "Bosko's und Döbler's Zauberkünste", darauf der Buchtitel, Untertitel und Angaben zum Verlag in Frakturschrift

Hier kommt allerlei Magisches zusammen, an erster Stelle natürlich die beiden „Zauberer“ im Titel des Werkes, das ein weiterer Könner der Zauberkunst, kompilierte: Louis Christin Emmanuel Apollinaire Comte (1788-1859) trat selbst als Magier auf, und war angeblich der erste, der ein weißes Kaninchen aus dem Hut „zauberte“.

Bartolomeo Bosco (1793-1863), gebürtiger Piemontese, der in Dresden seine späte Heimat fand, galt als einer der berühmtesten Zauberkünstler seiner Zeit. Der große Houdini soll Geld gestiftet haben, um das Grab Boscos auf dem Alten Katholischen Friedhof in Dresden pflegen zu lassen, eine Aufgabe, die heute der Magische Zirkel Dresden versieht, der sich Bosco zum Namenspatron gewählt hat.

Ludwig Döbler (1801-1864) war ein österreichischer Zauberkünstler, gleichfalls zu Lebzeiten ein berühmter Vertreter seiner Zunft. Für seine Tricks nutzte er seine profunden naturwissenschaftlichen Kenntnisse, so auch im vorliegenden Band. Dieser enthält eine Fülle detaillierter Erklärungen (in blumigen Betitelungen verpackt) zum Einstudieren verblüffender Kunst- und Kabinettstückchen, die bei geselligen Anlässen vorgeführt werden konnten. Nicht alles eignet sich unbedingt „für Dilettanten“, das Experimentieren mit phosporhaltigem Alkohol, um zu bewirken, „daß das Gesicht im Dunklen leuchte“ (S. 41), sollte man vielleicht nicht unbedingt im Selbstversuch ausprobieren.

Warum man Zaubertrickserei bis weit ins 18. Jahrhundert (und auch noch 1839) als „Taschenspielerkunst“ bezeichnete, wird mit einer anderen Paradenummer Boscos, dem „Becherspiel“, deutlich, heutzutage noch von Hütchenspieler in aller Welt auf nicht legale Weise transformiert und praktiziert.

Das Buch steht im Übrigen in der Tradition vieler ähnlicher Publikationen, die ab ca. 1830 auf den Buchmarkt gebracht wurden.

Tafel aus dem Zauberkünste-Buch mit gezeichneten Anleitungen zu verschiedenen Zaubertricks

Weihnachtsklänge : eine Festgabe in Lied und Bild / gesammelt von Ludwig Bund ; illustrirt von A. Baur, Hugo Becker, M. von Beckerath, C. Bertling, J. Commans, S. Gesellschap, Prof. Th. Hildebrand, P. Jansen, A. Kindler, H. Lauenstein, Th. Mintrop, G. Süs und A. von Wille in Düsseldorf. - Berlin : G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung, 1866. – XVI, 300 Seiten.

Signatur: 18/27708| Online-Ausgabe

Der Herausgeber Ludwig Bund (1828 – 1886), der nach Beendigung seiner Militärlaufbahn in Düsseldorf als Schriftsteller und Kanzlei-Sekretär tätig war, hatte die vielversprechende Idee, ein „Weihnachts-Album“ zu redigieren, das weihnachtliche Texte bekannter Autoren, wie Goethe, Eichendorff oder Rückert (und einige weniger bekannte), mit Illustrationen von Malern der Düsseldorfer Kunstakademie vereint. Bund war als Redakteur des „Düsseldorfer Künstler-Albums“ freundschaftlich mit vielen Protagonisten der Düsseldorfer Malerschule verbunden, die zwischen 1830 und 1870 stilbildend in der Landschafts- und Genremalerei wirkte. Über Ludwig Hugo Becker (1833 – 1868) und Theodor Mintrop (1814-1870) verfasste er biografische Werke. Besonders Mintrop war der Shooting-Star der Düsseldorfer Kunstszene, der vor seiner Karriere im landwirtschaftlichen Betrieb seines Bruders beschäftigt war. „Vom Kuhstall zur Kunstakademie“ war ein gern verwendeter griffiger Slogan. Nebenbei bemerkt hat Joseph Beuys, ein späterer Star der Düsseldorfer Akademie, seine ersten Werke im Stall der Brüder van der Grinten ausgestellt. Sozusagen von der Kunstakademie wieder zurück zum Kuhstall. So schließt sich der Kreis.

Mit moderner Kunst haben die Illustrationen der „Weihnachtsklänge“ nichts zu tun. Sie repräsentieren mit ihren romantischen Motiven die bürgerlich bestimmte Kunst des 19. Jahrhunderts. Nicht von ungefähr sind einige am Buch beteiligte Künstler auch als Illustratoren der Zeitschrift „Die Gartenlaube“ bekannt, die als Inbegriff bürgerlicher Lektüre gilt. Aber wer ließe sich nicht - auch heute noch - gerne in die Welt der spätbiedermeierlichen Beschaulichkeit entführen, wo es nach Nüssen und Bratäpfeln duftet und erleuchtete Kirchlein in sternenklarer Nacht zur Christmette einladen? In diesem Sinne: Eine besinnliche Adventszeit und frohe Weihnachten!

Titelblatt des Buchs
Tafel aus dem Buch

Pierson, Caroline: Encyclopaedie der saemmtlichen Frauenkuenste : ein reiches Lehrbuch zur sichern Erwerbkunde und ein treuer Rathgeber in allen Faellen des weiblichen Wirkungskreises fuer Maedchen und Frauen : mit 21 Kupfertafeln / von Caroline Leonhardt und Caecilie Seifer. - Leipzig : bei August Robert Friese, 1833. - 2 ungezaehlte Blaetter, II, IX, 183 Seiten, 21 ungezaehlte Blaetter Tafeln : Illustrationen

Signatur: 18/35186 | Online-Ausgabe

Probier’s mal mit Gemütlichkeit

Anna bzw. Amalie, eine fiktive Dame aus wohl gutem Haus, unterstützt ihren Bruder bei der Erziehung seiner drei heranwachsenden Töchter. Viele Erziehungsinstitute ihrer Zeit erscheinen ihr nicht annehmbar in vielerlei Hinsicht: mitunter zuviel klassische Bildung und nicht auf das praktische Leben vorbereitend.

In Form von Briefen an die jungen Damen erläutert die wohlmeinende Tante die korrekten Vorgehensweisen bei Handarbeit, Wäschebehandlung, Putzmachen und Blumenbinden; wie Räume innen und junge Damen wohlgefällig von außen dekoriert werden.

Ergänzt werden die „Briefe“ von 21 Kupfertafeln aus allen Bereichen: Strickmuster, Vorlagen für Schrift, Frisuren und das Servieren von Speisen inklusive dem Falten der passenden Servietten.

Die Ansprache junger Menschen in Form von Briefen zur Vermittlung moralischer Grundsätze und religiöser Erziehung war im 18. und 19. Jahrhundert kein ungewöhnliches Stilmittel. Erworben wurde das sonst in Berliner Bibliotheken vorhandene Buch in einem Paket mit weiteren Bänden ähnlichen Inhalts, u.a. „Lebensregeln für junge Frauen“ und „Kleine Anstandslehre für die Dorfjugend“.

Caroline Leonhardt, in zweiter Ehe mit Namen Pierson, lässt auf den für die mannigfaltigen Themen relativ wenigen Seiten kaum einen Bereich für die gebildete, junge Dame von Stand aus. Doch auch, wenn das Wort „kochen“ auf 28 Seiten fällt, so nicht im Rahmen der Zubereitung von Speisen. Das bleibt dann wohl dem Personal überlassen, der Sinn und Zweck des Bändchens ist „der höchste Zauber jedes Menschen, und besonders des Weibes, - die Gemüthlichkeit!“ (S. III).

Titelblatt des Buchs
Tafel aus dem Buch mit Zeichnungen von Frauen, die unterschiedlichen Haarschmuck tragen

Zum Buch des Monats-Archiv

Zurück zum Seitenanfang
zuletzt geändert am 2. Februar 2026