Sammlung Deutscher Drucke - Buch des Monats
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Sammlung Deutscher Drucke 1801-1870

Buch des Monats

September 2026

Album Deutscher-Waldbäume. - Hamburg : Hermann Grüning ; Hamburg : Kunstanstalt Seitz, [1866]. - 24 ungezählte Blätter Tafeln

Signatur: W Mapp. 128 | Online-Ausgabe

Der Baum verkörpert seit Jahrhunderten für viele Menschen das lebendige Symbol des Lebens. Er ist das Symbol für Schönheit – Kraft – Würde – Stille – Geborgenheit – Freiheit und Wahrhaftigkeit. Verwurzelt im Boden, aufstrebend zum Himmel steht er für Stärke und Hoffnung.

In der heutigen Zeit fällt den Bäumen eine weitere, besonders wichtige Aufgabe zu: Sie sollen zu Rettern in der Klimakrise werden. Besonders in den aufgeheizten Städten spenden sie Schatten und Kühle, filtern Feinstaub und Lärm und tragen so zum Wohlbefinden der Stadtbevölkerung bei.

Das vorliegende Werk wurde seinerzeit mit den Worten: “Für Naturfreunde ein sehr lockendes Album“ beworben. Es ist im monumentalen Groß-Folio-Format (50 x 38 cm) ausgeführt, wodurch seine Funktion als repräsentatives Sammler- und Coffee-Table-Album der Biedermeierzeit unterstrichen wird. Die Produktion dieses Werks ist von Christa Pieske im Standardwerk über die Kunstanstalt Seitz detailliert dokumentiert (Christa Pieske: Die Kunstanstalt G. W. Seitz in Hamburg Wandsbek und künstlerischer Leiter Wilhelm Ebbinghaus in: Sonderband AM Bd. 32, 2001) Für jede einzelne Lithografie des Albums mussten bis zu einem Dutzend verschiedene Steine präzise präpariert und auf das jeweilige Blatt gedruckt werden, um die Nuancen von Rinde, Blättern und atmosphärischen Hintergründen naturgetreu wiederzugeben.

Die vollständige Ausgabe umfasst 24 großformatige Lithografien. Vollständige Exemplare sind jedoch heute selten, da oftmals Blätter entnommen wurden, um gerahmt die Wände der Sammler zu verschönern. So enthält auch das vorliegende Werk nur 20 Tafeln, gehört damit aber bereits zu den wenigen vollständigeren Alben.

Wie alle Tafeln des Albums folgt auch die Darstellung der Ulme (Blatt 10) einem damals wegweisenden didaktisch-ästhetischen-Prinzip der Kunstanstalt Seitz: Bestehend aus einer zweigeteilten Komposition zeigt die Lithografie im Hauptteil den ausgewachsenen Baum in seiner charakteristischen Wuchsform eingebettet in eine romantisch-realistische Landschaftsdarstellung des 19. Jahrhunderts. Im unteren Bildrand zeigen botanische Detailstudien die Einzelheiten der jeweiligen Baumart. Im Falle der Ulme sind dies die markanten, am Blattansatz asymmetrischen Blätter, die Blütenstände und die Nussfrüchte.

Das aufwendige Farbdruckverfahren gibt das Dunkelgrün der Blätter, sowie die rissige, graubraune Borke naturgetreu und plastisch wieder. Auch bei der Abbildung der Buche (Blatt 18) ist dieses Prinzip der Komposition gut zu erkennen. Zieren auf dem Blatt der Ulme die vornehmen Damen, die im Schatten der Bäume wandeln, die Landschaftsdarstellung, sind es auf dem Blatt der Buche die am Teich mit Ziegen spielenden Kinder, die einen romantisch verklärten Blick auf das Leben auf dem Land geben.

Vorherige Monate

12 Ansichten von Norderney / Ausführung, Stahlstich, Druck u. Papier v. Serz & Cie. in Nürnberg. - Norden: Verlag von J.E. Hitzegrad, ca. 1850. - 12 ungezählte Blätter

Signatur: Q 18/4726 | Online-Ausgabe

Im Sommer 2026 tut Abkühlung allerhöchste Not. Was tun? In anderen Künsten, etwa der Musik, behilft man sich mit Phantasiereisen („Manchmal schließe ich die Augen/Stell' mir vor, ich sitz' am Meer/Dann denk' ich an diese Insel …“). In unserem Falle muss vorsichtig gebremst werden, denn diese besondere SDD-Erwerbung des Monats erscheint zunächst recht nüchtern, weil mit Ausnahme der Bildunterschriften „wortlos“. Ihre herausragende Qualität zeigt sich an anderer Stelle.

Die „12 Ansichten von Norderney“ machen dem heutigen Besucher erst mit ziemlicher Phantasiekraftanstrengung Lust auf die erfrischende Nordsee, dienten die gestochenen Bilder Mitte des 19. Jahrhunderts ganz anderen Zwecken. Strandszenen sind mit einer Ausnahme gar nicht zu sehen, dafür etwa die für die Badekultur der Zeit unverzichtbaren Badekarren sowie die notwendige Infrastruktur für das anspruchsvolle Reiseklientel des 19. Jahrhundert wie etwa „Conversationshaus“ (Tafel 10) und „Logierhaus“ (Tafel 5). Wie man reiste und sich auf der Insel fortbewegte, wurde gleichfalls mit entsprechenden Motiven (etwa „Ankunft mit dem Dampfschiffe“, Tafel 2) vor Augen geführt. Das Mappenwerk ist heute eine wichtige kultur- wie regionalhistorische Quelle, für Hitzegrads Zeitgenossen war es geschmackvolles Mitbringsel und Werbeträger zugleich.

„Chic“ war Deutschlands ältestes Nordseebad (1797 gegründet) seit jeher. Einen Schub erlebte es in den Jahren 1836 ff., als der hannoversche Kronprinz Georg Norderney zu seiner Sommerresidenz erwählte. Als späterer Georg V. (von 1851 bis 1866 der letzte König von Hannover) besuchte der gesundheitlich angeschlagene Fürst fast dreißig Jahre lang jährlich die Insel und bedachte diese mit finanziellen Zuwendungen – einerseits zur Sicherung vor Sturmfluten, andererseits zur Errichtung späterer touristischer Highlights (im Wortsinne: die „Marienhöhe“ (Tafel 8). Illustre Gäste wie Wilhelm von Humboldt, Bismarck, Fontane ließen nicht lange auf sich warten (wobei Heinrich Heine schon ein Jahrzehnt früher Insel und Insulaner spöttisch bedichtete). Die „12 Ansichten“ sollten jedoch nicht mit Worten, sondern mit bildkünstlerischer Brillanz werben und Lust auf eine Reise ins vornehme Nordseebad Norderney machen. Die feinen und präzisen ausgeführten Stahlstiche für Hitzegrads Mappen entstanden im Übrigen oft in enger Zusammenarbeit mit der renommierten Kunstanstalt Serz & Cie. in Nürnberg.

Mahner, Ernst: Das Gesetz der Urgesundheitskunde : erneuert zu Muenchen, am 21. und 22. Iuli 1847 / Ernst Mahner - Muenchen : [Verlag nicht ermittelbar], [1847?]. - 1 Bogen (2 Seiten)

Signatur: F 18/591 | Online-Ausgabe

Als Wanderprediger mit wallendem Haar, Vollbart und langem Gewand trat Carl Friedrich Schlemmer unter dem sprechenden Namen Ernst Mahner an zahlreichen öffentlichen Orten auf. Dem interessierten Publikum verteilte er ein Flugblatt mit dem „Gesetz der Urgesundheitskunde“, das ähnlich wie die Gesetzestafeln Moses gestaltet war und seine zehn „Gebote“ zur gesunden Lebensführung enthielt. Gott habe dem Menschen einen „Urinstinct“ (S. 1) gegeben, heißt es dort, der ihn das Richtige tun lasse – auch wider anerkanntes Wissen. Mahner wettert in seiner Schrift gegen Genussmittel wie Branntwein, „Caffe- oder Theebrühe“ (S. 1) und Tabak und empfiehlt, Speisen und Getränke ungekocht, möglichst fest und kaum gewürzt zu verzehren. Neben diesen Speisevorschriften rät er dazu, lockere Gewänder aus Wolle, anstatt enger modischer Kleidung zu tragen, sich viel an der frischen Luft zu bewegen und täglich im kalten Wasser zu baden.

Mahner selbst war sehr abgehärtet und sorgte mit mehreren spektakulären Aktionen für Aufsehen, bei denen er beispielsweise im eisigen Rhein badete. Auf einer Eisscholle im Main bei Frankfurt schwimmend, las er 1861 aus seinem „Urgesetz“. Die Austern und den Wein, die er dabei verzehrt haben soll, waren nach seiner Lehre übrigens neben Trüffelpasteten und anderen „instinctgemäße[n] Delicatessen“ (S. 1) ausdrücklich erlaubt.

Mahners Kritik an den zivilisatorischen Auswüchsen seiner Zeit und seine außergewöhnlichen Darbietungen erregten den Spott einiger Zeitgenossen. Die Auftritte des Gesundheitsfanatikers wurden 1848 auf mehreren Motivwagen beim Kölner Karneval persifliert, und auch in München machte sich ein Autor der Satire-Zeitschrift „Fliegende Blätter“ über seine Ideen lustig. In dem Artikel „Die drei Ur-Eisbären“ berichtet er von drei jungen Männern, die an einem Wintertag im Englischen Garten der Kälte „urinstinktgemäß gekleidet“ trotzen, in der eisigen Isar baden und nach dem Verzehr von „Urknödeln“ aus rohem Fleisch und Zwiebeln schließlich über Nacht erfrieren.

Babo, Lambert von: Der Rathgeber für den Ackersmann, oder Belehrungen über die verschiedenen Haus- und Feldarbeiten, geordnet nach ihrem monatlichen Vorkommen. - Frankfurt a. M. : Broenner, 1861. - 48 S.

Signatur: 18/25548 | Online-Ausgabe

Wer mag mehr über die Luzerne erfahren? Gemeint ist keine Stadt in der Zentralschweiz, sondern die älteste, ausschließlich zur Futtergewinnung angebaute Kulturpflanze, die im 19. Jahrhundert eine wachsende Bedeutung für die deutsche wie auch für die europäische Landwirtschaft hatte.

Lambert Joseph Leopold Freiherr von Babo (1790-1862) lag die Luzerne sehr am Herzen, was jeder merkt, der sich seinen „Rathgeber für den Ackermann“ näher zu Gemüte führt. Dieses schmale Bändchen, erschienen 1861, einem Jahr vor Babos Tod, reiht sich ein in die Fülle seiner landwirtschaftlichen wie auch weinbaulichen Veröffentlichungen, ohne dabei hervorzustechen. Gegliedert nach den Monaten des Jahreslaufs, geschrieben in einer einfachen Sprache, da der Inhalt auch in den „Dorfschulen den fleißigen Schülern“ (S. 3) zur Kenntnis gebracht werden soll. Dazu sollte das Werk „möglichst wohlfeil werden“ (S. 4), was auch eine Erklärung für seine geringe Seitenzahl ist. Auf Abbildungen wird ebenfalls verzichtet, doch ist das Büchlein ein gutes Beispiel für eine SDD-Erwerbung, die einen Einblick in den Alltag, hier den des „Durchschnitts-Landmanns“, im 19. Jahrhundert gibt; in eine „normale“ wissenschaftliche Bibliothek der Zeit hätte es keine Aufnahme gefunden.

Lambert Joseph Leopold von Babo entstammte einer (bzw. begründete selbst eine) Familie, die sich der der Verbesserung der Anbaupraxis von Nutzpflanzen und insbesondere der Weinreben widmete und zugleich den Anspruch hatte, ihre über praktischen Experimente gewonnenen Erkenntnisse weiterzugeben.

Man erfährt auf den wenigen Seiten des „Rathgebers“ erstaunlich viel über die zu Babos Lebzeiten in Deutschland kultivierten Pflanzen, die klimatischen Verhältnisse, die damaligen Schädlinge wie insgesamt die Widrigkeiten, die einer ertragreichen Ernte entgegenstanden. So rät Babo für den Juli etwa: „Ist man gezwungen feuchte Frucht einzuheimsen, so lege man sie nicht horizontal in den Scheuerräumen hin, sondern stelle die Garben mit aufrechtgerichteten Aehren ein, damit die bei der Gährung sich entwickelnde Feuchtigkeit den leichtesten und kürzesten Weg zur Verdünstung finde. Man beeile sich, sowie die Felder abgeräumt sind, Herbstrüben anzusäen. Auch werden Wicken zu Gründünger eingebaut. Ebenso noch Welschkorn zu Grünfutter. Dies, kann auch noch auf die Rübäcker eingesprengt werden.“ (S. 37)

Das von seinem Vater Johann Lambert Gregor von Babo übernommene und weiter von ihm ausgebaute Landhaus samt dem dazugehörigen Garten hat sich zu einer touristischen Hauptattraktion seines Wohn- und Wirkungsortes Weinheim an der Bergstraße entwickelt. Babos Andenken ehrt man dort mit einem verdeckt liegenden Kenotaph inmitten eines Rhododendrongebüschs, in unmittelbare Nachbarschaft findet man einen vom Landwirtschaftlichen Verein des Unterrheinkreises beauftragten und 1869 feierlich enthüllten Granit-Obelisk … am Rande des später dort angelegten innerstädtischen Tennisplatzes. Habent sua fata monumenta.

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zuletzt geändert am 31. August 2026