Sammlung Deutscher Drucke - Buch des Monats
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Sammlung Deutscher Drucke 1801-1870

Buch des Monats

Januar 2026

Bosko's und Döbler's Zauberkünste oder: natürliche Magie und Taschenspielerkunst für Dilettanten und zur angenehmen Unterhaltung für Gesellschaftskreise / von Comte nach dem Franz. bearb. - 3. Aufl. Quedlinburg [u. a.] : Basse, 1839. - VIII, 192 S., 3 Falttaf.

Signatur: 18/24746 | Online-Ausgabe

Titelblatt zu "Bosko's und Döbler's Zauberkünste", darauf der Buchtitel, Untertitel und Angaben zum Verlag in Frakturschrift

Hier kommt allerlei Magisches zusammen, an erster Stelle natürlich die beiden „Zauberer“ im Titel des Werkes, das ein weiterer Könner der Zauberkunst, kompilierte: Louis Christin Emmanuel Apollinaire Comte (1788-1859) trat selbst als Magier auf, und war angeblich der erste, der ein weißes Kaninchen aus dem Hut „zauberte“.

Bartolomeo Bosco (1793-1863), gebürtiger Piemontese, der in Dresden seine späte Heimat fand, galt als einer der berühmtesten Zauberkünstler seiner Zeit. Der große Houdini soll Geld gestiftet haben, um das Grab Boscos auf dem Alten Katholischen Friedhof in Dresden pflegen zu lassen, eine Aufgabe, die heute der Magische Zirkel Dresden versieht, der sich Bosco zum Namenspatron gewählt hat.

Ludwig Döbler (1801-1864) war ein österreichischer Zauberkünstler, gleichfalls zu Lebzeiten ein berühmter Vertreter seiner Zunft. Für seine Tricks nutzte er seine profunden naturwissenschaftlichen Kenntnisse, so auch im vorliegenden Band. Dieser enthält eine Fülle detaillierter Erklärungen (in blumigen Betitelungen verpackt) zum Einstudieren verblüffender Kunst- und Kabinettstückchen, die bei geselligen Anlässen vorgeführt werden konnten. Nicht alles eignet sich unbedingt „für Dilettanten“, das Experimentieren mit phosporhaltigem Alkohol, um zu bewirken, „daß das Gesicht im Dunklen leuchte“ (S. 41), sollte man vielleicht nicht unbedingt im Selbstversuch ausprobieren.

Warum man Zaubertrickserei bis weit ins 18. Jahrhundert (und auch noch 1839) als „Taschenspielerkunst“ bezeichnete, wird mit einer anderen Paradenummer Boscos, dem „Becherspiel“, deutlich, heutzutage noch von Hütchenspieler in aller Welt auf nicht legale Weise transformiert und praktiziert.

Das Buch steht im Übrigen in der Tradition vieler ähnlicher Publikationen, die ab ca. 1830 auf den Buchmarkt gebracht wurden.

Tafel aus dem Zauberkünste-Buch mit gezeichneten Anleitungen zu verschiedenen Zaubertricks

Vorherige Monate

Weihnachtsklänge : eine Festgabe in Lied und Bild / gesammelt von Ludwig Bund ; illustrirt von A. Baur, Hugo Becker, M. von Beckerath, C. Bertling, J. Commans, S. Gesellschap, Prof. Th. Hildebrand, P. Jansen, A. Kindler, H. Lauenstein, Th. Mintrop, G. Süs und A. von Wille in Düsseldorf. - Berlin : G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung, 1866. – XVI, 300 Seiten.

Signatur: 18/27708| Online-Ausgabe

Der Herausgeber Ludwig Bund (1828 – 1886), der nach Beendigung seiner Militärlaufbahn in Düsseldorf als Schriftsteller und Kanzlei-Sekretär tätig war, hatte die vielversprechende Idee, ein „Weihnachts-Album“ zu redigieren, das weihnachtliche Texte bekannter Autoren, wie Goethe, Eichendorff oder Rückert (und einige weniger bekannte), mit Illustrationen von Malern der Düsseldorfer Kunstakademie vereint. Bund war als Redakteur des „Düsseldorfer Künstler-Albums“ freundschaftlich mit vielen Protagonisten der Düsseldorfer Malerschule verbunden, die zwischen 1830 und 1870 stilbildend in der Landschafts- und Genremalerei wirkte. Über Ludwig Hugo Becker (1833 – 1868) und Theodor Mintrop (1814-1870) verfasste er biografische Werke. Besonders Mintrop war der Shooting-Star der Düsseldorfer Kunstszene, der vor seiner Karriere im landwirtschaftlichen Betrieb seines Bruders beschäftigt war. „Vom Kuhstall zur Kunstakademie“ war ein gern verwendeter griffiger Slogan. Nebenbei bemerkt hat Joseph Beuys, ein späterer Star der Düsseldorfer Akademie, seine ersten Werke im Stall der Brüder van der Grinten ausgestellt. Sozusagen von der Kunstakademie wieder zurück zum Kuhstall. So schließt sich der Kreis.

Mit moderner Kunst haben die Illustrationen der „Weihnachtsklänge“ nichts zu tun. Sie repräsentieren mit ihren romantischen Motiven die bürgerlich bestimmte Kunst des 19. Jahrhunderts. Nicht von ungefähr sind einige am Buch beteiligte Künstler auch als Illustratoren der Zeitschrift „Die Gartenlaube“ bekannt, die als Inbegriff bürgerlicher Lektüre gilt. Aber wer ließe sich nicht - auch heute noch - gerne in die Welt der spätbiedermeierlichen Beschaulichkeit entführen, wo es nach Nüssen und Bratäpfeln duftet und erleuchtete Kirchlein in sternenklarer Nacht zur Christmette einladen? In diesem Sinne: Eine besinnliche Adventszeit und frohe Weihnachten!

Titelblatt des Buchs
Tafel aus dem Buch

Pierson, Caroline: Encyclopaedie der saemmtlichen Frauenkuenste : ein reiches Lehrbuch zur sichern Erwerbkunde und ein treuer Rathgeber in allen Faellen des weiblichen Wirkungskreises fuer Maedchen und Frauen : mit 21 Kupfertafeln / von Caroline Leonhardt und Caecilie Seifer. - Leipzig : bei August Robert Friese, 1833. - 2 ungezaehlte Blaetter, II, IX, 183 Seiten, 21 ungezaehlte Blaetter Tafeln : Illustrationen

Signatur: 18/35186 | Online-Ausgabe

Probier’s mal mit Gemütlichkeit

Anna bzw. Amalie, eine fiktive Dame aus wohl gutem Haus, unterstützt ihren Bruder bei der Erziehung seiner drei heranwachsenden Töchter. Viele Erziehungsinstitute ihrer Zeit erscheinen ihr nicht annehmbar in vielerlei Hinsicht: mitunter zuviel klassische Bildung und nicht auf das praktische Leben vorbereitend.

In Form von Briefen an die jungen Damen erläutert die wohlmeinende Tante die korrekten Vorgehensweisen bei Handarbeit, Wäschebehandlung, Putzmachen und Blumenbinden; wie Räume innen und junge Damen wohlgefällig von außen dekoriert werden.

Ergänzt werden die „Briefe“ von 21 Kupfertafeln aus allen Bereichen: Strickmuster, Vorlagen für Schrift, Frisuren und das Servieren von Speisen inklusive dem Falten der passenden Servietten.

Die Ansprache junger Menschen in Form von Briefen zur Vermittlung moralischer Grundsätze und religiöser Erziehung war im 18. und 19. Jahrhundert kein ungewöhnliches Stilmittel. Erworben wurde das sonst in Berliner Bibliotheken vorhandene Buch in einem Paket mit weiteren Bänden ähnlichen Inhalts, u.a. „Lebensregeln für junge Frauen“ und „Kleine Anstandslehre für die Dorfjugend“.

Caroline Leonhardt, in zweiter Ehe mit Namen Pierson, lässt auf den für die mannigfaltigen Themen relativ wenigen Seiten kaum einen Bereich für die gebildete, junge Dame von Stand aus. Doch auch, wenn das Wort „kochen“ auf 28 Seiten fällt, so nicht im Rahmen der Zubereitung von Speisen. Das bleibt dann wohl dem Personal überlassen, der Sinn und Zweck des Bändchens ist „der höchste Zauber jedes Menschen, und besonders des Weibes, - die Gemüthlichkeit!“ (S. III).

Titelblatt des Buchs
Tafel aus dem Buch mit Zeichnungen von Frauen, die unterschiedlichen Haarschmuck tragen

Der untrügliche Wahrsager : interessantes Orakelspiel : Vermächtniß der Madame Marie Lenormand in Paris : mit 9 Bildnissen, als: Marie Lenormand, Giulia Gassendi, Eulalia Boehmer, Nine de la Condamine, Polli Amoretti, Rosa Copernicus, Liddy Adverson, Cathinka Kaprucha, Ilka Kisfaludy : Zweite verschönerte Auflage : Cratz : Verlag des Eduard Ludewig, 1848. – 32 S., 9 ungezählte Bl. Tafeln : Illustrationen

Signatur: W 3263 | Online-Ausgabe

„Der untrügliche Wahrsager“ lautet also der Titel des hier präsentierten Werks. Erstaunlich, wo es doch neun Damen sind, deren hellsichtigen Künste man oder frau hier zu Rate ziehen soll. Diese sind sogar allesamt im Zusatz zum Sachtitel gelistet. Verwiesen wird weiterhin auf ihren jeweiligen Wirkungsort (Paris, Neapel, Leipzig, Brüssel, Mailand, Stockholm, London, Warschau, Pesth) und sogar ihr Konterfei ist beigegeben, ausgeführt als Kreidelithographien. Die Verwirrung mag sich steigern, wenn man feststellt, dass man kein Buch im eigentlichen Sinne in Händen hält (also ein Medium, das man sich lesend und Seiten umblätternd zu Gemüte führt), sondern ein Spiel, genauer gesagt ein „Orakelspiel“ mit mantischem Charakter.

Mittels Karten und vorgefertigten Antworten (insgesamt 298 an der Zahl), erhält man in geselliger Runde Antworten auf weltbewegende Fragen wie etwa „Wodurch kann ich mein Glück machen?“ oder „Wer ist mein wahrer Freund?“ oder „Wird meine Ehe glücklich seyn?“. Die jeweilige Prophezeiung als gereimter Zweizeiler erwürfelt man sich, angeleitet von einem Spielleiter namens Zoroaster (eigentlich ein persischer Priester, auch bekannt unter dem Namen Zarathustra). War man mit der Antwort nicht zufrieden, wird zur Klärung ein zweites Spiel-„Oberhaupt“ tätig, immerhin „Doctor Faust“, soviel Bildung in dieser Scheinwelt muss sein. Näheres dazu in der Spielanleitung.

Die Orakelsprüche lieferten (angeblich) besagte 9 „Zukunfts-Forscherinnen“, wie es weiterhin heißt, zu denen sich nur zu Marie Lenormand weiterführende biographische Informationen finden lassen, was wenig verwundert, war doch die wahrsagende Madame Lenormand (1772-1843) schon zu ihren Lebzeiten einschlägig berühmt und berüchtigt.

Nicht unerwähnt werden soll, dass unter dem Nachnamen besagter Dame noch immer hellseherische Geschäfte betrieben werden, wobei das Kartenziehen als mantische Methode bleibt („Lenormandkarten“ heißt das Deck) und natürlich auch online betrieben werden kann.

Auf dem Umschlag des Druckwerks von 1848 liest man noch den Vermerk „6000 Exemplare Absatz“ (an der Zukunft schien Mitte des 19. Jahrhunderts Bedarf geherrscht zu haben), dabei ist dieses, in der „Zweiten verschönerten Auflage“ von der UB JCS erworbene Exemplar in keiner anderen deutschen Bibliothek nachweisbar. Dieser Widerspruch löst sich auf, wenn man bedenkt, dass laut Spielanleitung zum bestimmungsgerechten Gebrauch des Werkes seine Zerstörung gehörte: "Die ... beigebundenen 9, mit Bildnissen und Fragen enthaltenden Blätter sind abzuschneiden und … auf Kartenpapier aufzuziehen“. Bitte nicht nachmachen! Zum Glück gibt es heutzutage davon ein Digitalisat.

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zuletzt geändert am 2. Januar 2026