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Universitätsbibliothek » Zum 125. Todestag Heinrich Hoffmanns

BLICK IN DIE SAMMLUNGEN

Zum 125. Todestag Heinrich Hoffmanns

Eine kleine Auswahl aus den Sammlungen der Bibliothek

Am 20. September 1894 starb der Frankfurter Arzt Heinrich Hoffmann, der im Fachgebiet der heutigen Psychiatrie als Reformer oder gar Revolutionär gelten darf. Weltberühmt wurde er aber nicht für seine medizinischen bzw. psychiatrischen Leistungen, sondern für die Erschaffung des «Struwwelpeter» im Jahre 1844. Zu seinem 125. Todestag präsentiert die Universitätsbibliothek einige wichtige Stücke aus ihren Spezialsammlungen.

Signatur: W 16
Online-Ausgabe

Die gedruckte Erstausgabe von 1845 bringt den Struwwelpeter als Schlussbild: Das Büchlein erschien anfangs anonym und unter dem Titel «Lustige Geschichten und drollige Bilder für Kinder von 3-6 Jahren». Der struwwelige Peter avancierte zum Publikumsliebling, wanderte deshalb in späteren Ausgaben ganz nach vorne und auch auf den Umschlag als Titelfigur.

Der große Erfolg des Struwwelpeters sorgte nicht nur für Hunderte von Neuauflagen, sondern auch für Übersetzungen in zahllose Sprachen und Dialekte. Relativ früh erschien z.B. auch eine russische Übersetzung. Das Exemplar der UB Frankfurt gehört zur Ausgabe 1849. Darin sind allerdings die Hoffmann'schen Abbildungen nicht unverändert wiedergegeben. Sie wurden deutlich überarbeitet und in diesem Exemplar auch wundervoll handkoloriert:


Signatur: Ffm Wq 12/23 Online-Ausgabe


Signatur: Ms.Ff. H.Hoffmann 1 Online-Ausgabe

Editionsgeschichtlich sehr interessant ist, dass Heinrich Hoffmann diese russische Ausgabe offensichtlich kannte. Denn im Jahre 1858 überarbeitete er seinen Struwwelpeter für die nächste Ausgabe. Das Manuskript dieser Überarbeitung befindet sich im Besitz der UB Frankfurt.

Besonders augenfällig wird die Nähe der Hoffmann'schen Überarbeitung zur russischen Ausgabe, wenn wir uns dasselbe Motiv in der eher nüchternen Erstausgabe ansehen:

Erfolg findet Nachahmer. So auch der Struwwelpeter. Unzählige Abwandlungen und Variationen, aber auch Parodien erschienen seit 1845. Zum Beispiel Gustav Weises «Lebendiger Struwwelpeter», ein Ziehbilderbuch gestaltet von Lothar Meggendorfer.
Signatur: Ffm Wq 13/13 Online-Ausgabe

 

Dass der Frankfurter Struwwelpeter-Verlag «Rütten & Loening» sich durchaus gegen unrechtmäßige Plagiatoren zur Wehr setzte, zeigt ein Band mit der Parallelmontage von Seiten des originalen Struwwelpeters und einer vom Verlag beanstandeten Nachahmung: «Der Struwwelpeter» von Auguste Cornelius und R. Tönsmann erschienen im Verlag Düms in Wesel. (Ffm Wq 11/6 und 11/7)

 

 

Heutzutage würde der Urheber oder der Verlag einer solchen Erfolgsfigur wie dem Struwwelpeter umgehend ins Merchandising einsteigen. Im Falle dieses Brettspiels (ca. 1870; Signatur: Ffm Wq 19/1) und des Quartett-Spiels (ca. 1890; Signatur: Ffm Wq 19/3) haben andere die Bekanntheit von Hoffmanns Schöpfung genutzt.

Signatur: Ffm Wq 19/1
Online-Ausgabe
Signatur: Ffm Wq 19/3


Nach dem Struwwelpeter hat Heinrich Hoffmann weitere Kinderbücher entworfen, von denen allerdings keines auch nur annähernd an den Erfolg anknüpfen konnte. Der erste Nachfolger war «König Nußknacker und der arme Reinhold» im Jahre 1851. Von drei weiteren Hoffmann-Kinderbüchern besitzt die Universitätsbibliothek die Originalmanuskripte, wie z.B. von «Bastian der Faulpelz».
Signatur: Ms.Ff. H.Hoffmann 2
Online-Ausgabe


Hoffmanns medizinisches Fachwissen ist 1861 mit seiner humoristischen Neigung zusammengeflossen in der satirischen Schrift über den «Badeort Salzloch», in welcher er unter dem Pseudonym Polykarpus Gastfenger nicht nur die Jod-, Brom-, Eisen- und salzhaltigen Schwefelquellen des fiktiven Kurorts und die tanninsauren animalischen Luftbäder beschreibt, sondern auch noch eine Apologie des Hasardspiels anfügt.
Signatur: Ffm W 35 Online-Ausgabe


Natürlich befinden sich auch die Fachveröffentlichungen des Mediziners Hoffmann im Bestand der Bibliothek. In unserer kleinen Auswahl wollen wir uns allerdings auf ein handschriftliches Dokument zu seiner Arbeit am Senckenbergischen medizinischen Institut und einem Stück mit Bezug zu seinem Lebenswerk, der Irrenanstalt, beschränken. Mit seiner Unterschrift unter die «Instruction für den dermaligen Lehrer der Anatomie am Senckenbergischen medicinischen Institute» bestätigte Hoffmann 1846 die Kenntnisnahme der dienstlichen Anweisungen seines Arbeitgebers.

 



Nach intensiver Vorbereitung plante Hoffmann für Frankfurt eine neue Nervenheilanstalt, damals «Irrenanstalt» genannt. Sein modernisiertes Konzept der Therapie von psychisch Kranken fand u.a. Niederschlag in der Bauplanung.
Informationen zur Baugeschichte der Irrenanstalt und zu einem baulichen Überbleibsel der im Volksmund «Irrenschloss» getauften Anlage finden Sie unter:
Materialien zur Ausstellung »Heinrich Hoffmanns Eiskeller«

Der Eiskeller - das letzte Relikt der städtischen «Anstalt für Irre und Epileptische»

In der Sekundärliteratur wird Hoffmanns Reform der Psychotherapie in Frankfurt ausführlich behandelt. Einen kurzen Überblick dazu gibt die Ärztezeitung 15.6.2009:
Struwwelpeters Vater - Armenarzt und Psychatire-Reformer

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zuletzt geändert am 17. Oktober 2019

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